Glücksspiel-Sponsoren der Bundesliga: Wer zahlt, bestimmt die Musik

30 von 36 Bundesligisten kassieren Geld aus der Glücksspielbranche – die Fans pfeifen, die Vereine unterschreiben, und die Wettanbieter reiben sich die Hände.

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Redakteur: Steffen
aktualisiert am 27.03.2026
Expertencheck: Patrick
von echten Spielern

Auf einen Blick

  • Rund 30 von 36 Erst- und Zweitligisten haben zur Saison 2025/26 mindestens einen Sponsor aus der Glücksspielbranche – ob Wettanbieter, Spielbank, Automatenhersteller oder Landeslotterie.
  • Der VfB Stuttgart hat seinen Ex-Sponsor Winamax auf 2,75 Mio. € verklagt – und eine ZDF-Doku enthüllte Verbindungen mehrerer Bundesliga-Sponsoren zur chinesischen Yabo-Cybercrime-Gruppe.
  • England verbannt Wettanbieter ab 2026/27 von der Trikotvorderseite – in Deutschland gibt es keine vergleichbaren Pläne.

Mich persönlich stört es nicht, wenn Betano auf dem Bayern-Trainingstrikot steht oder bwin bei Dortmund auf der Bande flackert. Die Anbieter sind legal, lizenziert, und Vereine brauchen Geld. Was mich stört: Wenn wir so tun, als wäre das alles völlig unproblematisch. Denn das Geld kommt nicht aus dem Nichts. Es kommt von Spielern, die wetten – und manche davon wetten zu viel.

Und wenn dann auch noch asiatische Anbieter ohne jede deutsche Lizenz mitmischen, die laut Recherchen zur organisierten Kriminalität gehören sollen – dann hört der Spaß endgültig auf. Das auszublenden ist genauso scheinheilig wie die Forderung nach einem Totalverbot, das eh nie kommt.

Wie groß ist der Glücksspiel-Einfluss in der Bundesliga wirklich?

Die Zahlen sprechen für sich: In der Saison 2025/26 unterhalten rund 30 der 36 Erst- und Zweitligisten Partnerschaften mit Unternehmen aus der Glücksspielbranche. Und dabei reden wir nicht nur über Sportwettenanbieter. Zum Gesamtbild gehören auch Spielbanken, Online-Spielotheken, Automatenhersteller und staatliche Lotterien. Nur eine Handvoll Vereine kommt komplett ohne aus – in der 1. Liga sind es Freiburg, Wolfsburg und Hoffenheim, in der 2. Liga Dresden, Hannover und der Karlsruher SC.

Besonders auffällig: Im Vergleich zur Saison 2023/24 hat sich die Zusammensetzung der Partner verschoben. Einige Anbieter wie CrazyBuzzer, ChillyBets oder Wildz sind aus dem Sponsorenpool verschwunden – dafür sind neue Namen aufgetaucht. Der FC Bayern München hat nach über zehn Jahren die Partnerschaft mit Tipico beendet und setzt seit Juli 2025 auf Betano als neuen Platin-Partner. Der Deal läuft bis mindestens 2028.

Was die meisten Fans aber nicht auf dem Schirm haben: Neben den sichtbaren, lizenzierten Partnern unterhalten mehrere Bundesligisten auch Kooperationen mit asiatischen Wettanbietern, die in Deutschland über keinerlei Lizenz verfügen.

Definition: Was ist Sponsoring im Fußball?

Wer sponsert wen? Alle Glücksspiel-Partner der Saison 2025/26

Ein Blick auf beide Ligen zeigt: Es gibt große Deals und kleinere Kooperationen. Manche Vereine haben gleich mehrere Partner aus der Branche – inklusive internationaler Wettanbieter ohne deutsche Lizenz. Andere kommen komplett ohne aus. Hier die aktuelle Übersicht:

1. Bundesliga

VereinNationaler Partner (Wetten)Internationaler/Asiatischer PartnerSpielothek/CasinoLotto/Andere
FC Bayern MünchenBetano (Platin-Partner)
Borussia Dortmundbwin (Champion Partner)XingKong (Regionaler Partner Asien)
Bayer 04 LeverkusenTipwin (Premium-Partner)KAIYUN.COM (Regionaler Partner Asien)
Eintracht FrankfurtLOTTO Hessen
VfB Stuttgartbet365 (Team-Partner)Jokerstar
RB LeipzigMerkur Group (Wettpartner)
SC Freiburg
1. FSV Mainz 05EtoroLOTTO Rheinland-Pfalz
Borussia MönchengladbachAYX (beendet, ehem. Internationaler Partner)
SV Werder BremenNEO.bet (TOP-Partner)Spielbank Bremen
VfL Wolfsburg
FC AugsburgLOTTO Bayern
1. FC Union BerlinEtoroCrown Coins CasinoLOTTO Berlin
FC St. PauliSpielbank Hamburg
TSG Hoffenheim
1. FC HeidenheimMerkur Bets powered by TipwinLOTTO Baden-Württemberg
1. FC KölnMerkur (Exklusiv-Partner), Etoro
Hamburger SVbet365 (Exklusivpartner)

2. Bundesliga

VereinWettanbieterSpielothek/CasinoLotto/Andere
Arminia BielefeldMerkur BetsMerkur.com AG
Dynamo Dresden
Eintracht BraunschweigMerkur Spielbanken GmbH
FC Schalke 04Merkur
Fortuna DüsseldorfMerkur GroupMerkur-Spiel-Arena (Stadionname)
Hannover 96
Hertha BSCSpielbank Berlin, CrownCoins CasinoLOTTO Berlin
Holstein KielCasino KielLOTTO Schleswig-Holstein
Karlsruher SC
1. FC KaiserslauternNovoline
1. FC MagdeburgLOTTO Sachsen-Anhalt
1. FC NürnbergLOTTO Bayern
Preußen MünsterWestLotto
SC Paderborn 07Merkur Group, Schäfer Automaten
SpVgg Greuther FürthLOTTO Bayern
SV Darmstadt 98NEO.bet (Premiumpartner)LOTTO Hessen
SV ElversbergNovoline
VfL BochumBetway

hinweis

Partnerschaften ändern sich im Laufe einer Saison. Diese Übersicht bildet den Stand Anfang 2026 ab und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Kooperationen auf niedrigerer Ebene (z. B. reine Social-Media-Deals) sind möglicherweise nicht erfasst. Angaben zu internationalen/asiatischen Partnern basieren auf öffentlich verfügbaren Vereinswebseiten und Medienberichten.

Vereine wie der VfL Wolfsburg und der SC Freiburg kommen aktuell ohne jeden Glücksspiel-Sponsor aus – und bilden damit zusammen mit Hoffenheim die letzten drei Erstligisten ohne Glücksspielpartner. Bei Freiburg war das auch in den Vorjahren schon so. Bemerkenswert: Der VfL Bochum, der in der Vorsaison noch als einziger Bundesligist ohne Glücksspiel-Partner hervorgehoben wurde, hat nach dem Abstieg in die 2. Liga mit Betway einen Wettanbieter an Bord geholt.

Asiatische Wettanbieter ohne Lizenz: Die dunkle Seite des Sponsoring

Das Thema kochte Ende 2025 richtig hoch – und es ist einer der brisantesten Aspekte in der gesamten Sponsoring-Debatte. Im Dezember 2025 veröffentlichte das ZDF im Rahmen der Dokureihe „Crime Factories“ Recherchen, die es in sich haben: Mehrere Bundesligisten unterhalten Sponsoring-Verträge mit asiatischen Wettanbietern, die nicht nur über keine deutsche Lizenz verfügen, sondern laut IT-Analysen zur sogenannten Yabo-Gruppe gehören sollen – einem chinesischen Cybercrime-Syndikat.

Konkret betroffen: Borussia Mönchengladbach (AYX), Borussia Dortmund (XingKong) und Bayer 04 Leverkusen (KAIYUN.COM). Der Yabo-Gruppe werden schwere Vorwürfe gemacht: Geldwäsche, Menschenhandel und moderne Sklaverei – unter anderem in berüchtigten Arbeitslagern in Sihanoukville, Kambodscha.

Sport-Investigativjournalist Philippe Auclair brachte es in der ZDF-Doku auf den Punkt: Keines dieser Unternehmen, die mit Bundesliga-Vereinen zusammenarbeiten, verfüge über eine ordnungsgemäße Lizenz in Deutschland.

Die Reaktionen fielen unterschiedlich aus. Mönchengladbach zog als einziger Verein sofort Konsequenzen. Geschäftsführer Markus Aretz erklärte: Man habe sich entschieden, die Zusammenarbeit mit AYX zu beenden. Bayer 04 Leverkusen hielt zunächst an der Partnerschaft mit Kaiyun fest und erklärte, die dargestellten Inhalte beriefen sich auf Indizien und anonyme Aussagen ohne direkten Bezug zum Partner. Tipwin bleibt als lizenzierter DACH-Wettpartner ohnehin an Bord – dieser Vertrag wurde sogar bis 2027 verlängert. Borussia Dortmund nahm die Berichterstattung zur Kenntnis und bat seinen Partner XingKong um eine Stellungnahme.

Die DFL als Organisator der Bundesliga wollte sich zu keinem der Fälle äußern.

Der Fall VfB Stuttgart: Wenn es mit dem Wettanbieter kracht

Der VfB Stuttgart liefert das beste Beispiel dafür, wie eine Glücksspiel-Partnerschaft komplett entgleisen kann. 2023 holten die Schwaben den französischen Wettanbieter Winamax als Hauptsponsor auf die Brust – und damit sofort den Unmut der eigenen Fans.

In der Stuttgarter Fankurve hing das Banner „Werte & Moral unseres VfB – ein reines Glücksspiel?!“, die organisierte Fanszene veröffentlichte ein Statement, und selbst Investor Porsche soll das Sponsoring kritisch gesehen haben. VfB-Vorstandschef Alexander Wehrle versuchte gegenzuhalten und verwies darauf, dass fast alle Bundesligisten einen Wettpartner hätten.

Dann eskalierte es: Im Frühjahr 2025 stellte Winamax sämtliche Zahlungen ein. Der VfB reagierte, indem er bereits im DFB-Pokalfinale gegen Arminia Bielefeld im Mai 2025 mit dem Logo der neuen Landesbank Baden-Württemberg (LBBW) auflief – obwohl der Vertrag mit Winamax erst zum 30. Juni auslief. Winamax sprach von einem Vertragsbruch und warf dem VfB vor, die neue Partnerschaft mit der LBBW Monate zuvor öffentlich gemacht zu haben, während der alte Vertrag noch lief.

Im Juni 2025 reichte der VfB Klage beim Landgericht Stuttgart ein. Der vorläufige Streitwert: 2,75 Mio. €. Der Wettanbieter mit Sitz in Paris spielte zunächst auf Zeit und ließ die Klagefrist verstreichen, ohne zu reagieren. Ein Urteil steht noch aus.

Seit der Saison 2025/26 ist die LBBW Haupt- und Trikotsponsor. Parallel dazu wurde bet365 als neuer Team-Partner vorgestellt – unter anderem mit LED-Banden und digitalem Content. Ganz ohne Glücksspiel geht es also auch in Stuttgart nicht. Der Vertrag mit der LBBW soll dem Verein rund 8,5 Mio. € pro Jahr einbringen – etwas mehr als die geschätzten acht Millionen von Winamax.

Warum setzen Vereine auf Glücksspiel-Geld?

Die Antwort ist so einfach wie unbequem: Wettanbieter und Casino-Unternehmen zahlen im Zweifel mehr als andere Branchen. Laut Analysen aus der englischen Premier League liegt der Aufpreis von Glücksspiel-Sponsoren gegenüber Partnern aus anderen Branchen bei rund 40 %. In der Bundesliga dürfte es ähnlich aussehen – belastbare Zahlen gibt es hier allerdings nicht.

Gerade für Vereine ohne internationale TV-Erlöse kann ein sechsstelliger oder niedriger siebenstelliger Sponsoringvertrag mit einem Wettanbieter den Unterschied machen: zwischen einem Ergänzungsspieler mehr oder weniger, zwischen Stadionausbau jetzt oder in fünf Jahren.

Dazu kommt: Die DFL selbst hat mit Tipico einen langjährigen Partner, und der DFB unterhält eine Kooperation mit bwin – verlängert bis 2026. Wenn der Dachverband und die Liga-Organisation selbst mit Wettanbietern zusammenarbeiten, fällt es schwer, den einzelnen Vereinen Vorwürfe zu machen.

Für die in der 2. Bundesliga noch deutlich sichtbarere Casino- und Spielbanken-Präsenz gibt es einen simplen Grund: Dort sind die Gesamtbudgets kleiner, und selbst kleinere Deals mit regionalen Spielbanken, Novoline-Automatenherstellern oder Landeslotterien machen einen spürbaren Unterschied. Besonders dominant: Die Gauselmann-Gruppe, die unter den Marken Merkur, Merkur Bets, Merkur Group und Merkur Spielbanken bei mindestens zehn Vereinen über beide Ligen hinweg vertreten ist – vom Stadionnamen in Düsseldorf über den Exklusiv-Partner in Köln bis zur Spielothek in Braunschweig.

Definition: GlüStV und Werbung – was ist erlaubt? Der Glücksspielstaatsvertrag 2021 (GlüStV) erlaubt die Werbung für lizenzierte Glücksspielanbieter in Deutschland ausdrücklich – allerdings unter Auflagen. Die Werbung muss sich an Erwachsene richten, darf nicht in der Nähe von Schulen oder Jugendeinrichtungen platziert werden, und muss den Hinweis auf Suchtgefahren enthalten. Trikotwerbung ist nicht explizit verboten. Die Gemeinsame Glücksspielbehörde der Länder (GGL) überwacht die Einhaltung dieser Regeln. Wichtig: Diese Regelungen gelten nur für lizenzierte Anbieter. Die asiatischen Partner ohne deutsche Lizenz bewegen sich in einer rechtlichen Grauzone – sie werben auf Vereinswebseiten und bei internationalen Events, richten ihr Angebot aber offiziell nicht an den deutschen Markt.

Die Gegenstimmen: Fans, Suchtexperten und eine wachsende Koalition

Die Kritik am Glücksspiel-Sponsoring kommt nicht nur von ein paar Einzelpersonen, wie der Werbefachmann Dr. Andreas Blaue in einem viel zitierten Interview behauptete. Die Bewegung ist breiter, als es die Branche gerne hätte.

Das „Bündnis gegen Sportwetten-Werbung“ (BgSwW) vereint mittlerweile Dutzende Organisationen – von der Faninteressengemeinschaft „Unsere Kurve“ über Suchtberatungsstellen bis hin zum Landessportbund Berlin. „Unsere Kurve“ fordert unter anderem ein generelles Werbeverbot für Sportwetten-Anbieter in Stadien und sportbezogenen Medien sowie die Verpflichtung, 50 % der Sponsoring-Einnahmen in unabhängige Präventionsarbeit zu investieren.

Eine repräsentative Studie des ehemaligen Sucht- und Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Burkhard Blienert, ergab: Knapp zwei Drittel der Befragten sprechen sich für ein Sponsoring-Verbot von Sportwettenanbietern im Fußball aus. Blienert selbst erklärte, Sport und Glücksspiel gehörten für ihn nicht zusammen.

Und dann ist da die Frage der Normalisierung. Trikots sind beliebte Fan-Accessoires – auch bei Jugendlichen. Wenn ein Kind das Trikot seines Lieblingsvereins trägt, trägt es möglicherweise auch die Werbung eines Wettanbieters. Ob das klug ist, darüber kann man streiten. Dass es problematisch sein kann, ist schwer zu leugnen.

Wer kennt’s nicht: Der Spagat zwischen dem, was man sich wünscht, und dem, was die Kontoauszüge hergeben – Herthas Ex-Präsident Kay Bernstein nannte es 2023 treffend den Konflikt „zwischen Fan-Idealismus und Realpolitik“, als er kurz nach einem Wahlprogramm gegen Wettanbieter ausgerechnet CrazyBuzzer als Hauptsponsor präsentieren musste.

Dass auch in Bremen Innensenator Ulrich Mäurer (SPD) versuchte, die Sportwettenwerbung bei Werder Bremen zu unterbinden, ist mittlerweile bekannt. Durchsetzen konnte sich der Senator nicht – heute ist NEO.bet als Wettpartner auf den LED-Banden im Weserstadion zu sehen. Von vielen Fans gab es dafür Kritik: Bei so wenig Geld hätte man es auch bleiben lassen können und ein Zeichen setzen, so der Tenor in den Foren.

Coca Cola und McDonalds ja, Rüstungskonzern nein? Wo Fans die Grenze ziehen

Die Debatte um Glücksspiel-Sponsoring in der Bundesliga hat einen blinden Fleck. Sie tut so, als wäre das ein isoliertes Problem. Ist es aber nicht. Die Liste der umstrittenen Partnerschaften im deutschen Profifußball ist lang – und die Empörung darüber verteilt sich erstaunlich selektiv.

Borussia Dortmund sorgte mit dem Einstieg von Rüstungskonzern Rheinmetall als Sponsor für heftige Proteste in der Fanszene. Banner in der Südtribüne, offene Briefe, Social-Media-Shitstorms. Coca-Cola, seit Jahrzehnten fester Bestandteil der Fußball-Infrastruktur, wird dagegen kaum hinterfragt – obwohl die Verbindung zwischen Softdrinks, Übergewicht und Gesundheitsschäden wissenschaftlich bestens dokumentiert ist. Die Qatar-Airways-Deals diverser Klubs lösten ebenfalls Protest aus, aber deutlich weniger als Rheinmetall. Und die Trikotbrust von Winamax beim VfB Stuttgart war ein Skandal – während LOTTO Baden-Württemberg beim 1. FC Heidenheim niemandem auch nur eine Schlagzeile wert ist.

Genau hier wird es interessant. Denn bei genauerem Hinsehen ist die Empörung über Wettanbieter auf der Bande nicht rationaler als die Akzeptanz von Lotto auf dem Programmheft. LOTTO Hessen bei Frankfurt und Darmstadt, LOTTO Bayern bei Augsburg, Nürnberg und Fürth, WestLotto bei Preußen Münster – insgesamt sind staatliche Lotterien bei mindestens acht Vereinen als Partner präsent. Kein Fan hat jemals ein Transparent gegen LOTTO Bayern im Stadion hochgehalten. Dabei ist das Lottospiel mathematisch gesehen das schlechteste Glücksspiel überhaupt: Die Auszahlungsquote liegt bei rund 50 %, während regulierte Online-Slots auf 95 % und mehr kommen. Wer also wirklich über Spielerschutz reden will, müsste konsequenterweise auch über die Landeslotterien sprechen.

Ähnlich verhält es sich mit den Spielbanken. Casino Kiel, Spielbank Berlin, Spielbank Hamburg, Merkur Spielbanken GmbH bei Braunschweig – alles staatlich konzessioniert, alles gesellschaftlich akzeptiert. Der einzige Unterschied zum Online-Casino: Die Spielbank hat ein Gebäude mit Kronleuchter statt einer App mit Push-Benachrichtigungen. Am Suchtpotenzial ändert das wenig.

Der Sonderweg des FC St. Pauli

Es gibt einen Verein in Deutschland, der sich bewusst gegen Sportwetten-Sponsoring entschieden hat: der FC St. Pauli. Präsident Oke Göttlich erklärte, der Klub verzichte auf solche Verträge, „weil die Glaubwürdigkeit unseres Vereins und unserer Marke auch für eine größere Strahlkraft für unsere Partner sorgt.“

Allerdings ist die Sache nicht ganz so schwarz-weiß, wie es klingt. Die Spielbank Hamburg – ein staatlich konzessioniertes Casino – ist als „Kapitän“-Partner beim Kiez-Klub dann doch wieder dabei. St. Pauli unterscheidet damit zwischen Sportwettenwerbung, die den Verein nach eigener Überzeugung nicht repräsentiert, und einem Casino-Engagement mit gesetzlich verankerten Spielerschutzauflagen.

Ob diese Unterscheidung inhaltlich überzeugt oder eher Semantik ist – darüber gehen die Meinungen auseinander. Fakt ist: Komplett glücksspielfrei ist auch St. Pauli nicht.

Spielmanipulation: Der Elefant im Raum

Über Sponsoring lässt sich diskutieren. Über Spielmanipulation nicht. Und doch hängen beide Themen zusammen – denn je stärker Sportwetten und Fußball verwoben sind, desto größer wird das Risiko.

Deutschland hat seine eigene Geschichte mit Wettskandalen. 2005 gestand Schiedsrichter Robert Hoyzer, Spiele manipuliert zu haben – der größte Skandal im deutschen Fußball seit den Schiebungen der 1970er Jahre. 2009 folgte ein noch größerer europaweiter Skandal, bei dem allein in Deutschland über 30 Spiele von der 2. Bundesliga bis in den Jugendbereich unter Manipulationsverdacht standen.

Und das Thema ist aktuell wie nie: 2024 bestätigte das Hessische Landeskriminalamt, dass 17 Fußballspiele seit November 2022 unter Manipulationsverdacht stehen – unterhalb der Bundesliga, in der 3. Liga, Regionalligen und Oberligen. Ergebnisse sollen im Darknet verkauft worden sein, um gezielte Wettgewinne zu ermöglichen.

Die ARD-Dokumentation „Spielverderber“ von 2024 zeigte eindrücklich, wie das weltweite Netzwerk der Wettbetrüger funktioniert – und dass sich verurteilte Manipulatoren nach eigenen Aussagen noch immer in der Szene bewegen. Ein Experte für Glücksspiel-Lizenzen brachte es auf den Punkt: Die allermeisten Menschen hätten keine Ahnung, wie groß der weltweite Online-Wettmarkt tatsächlich ist.

Allein auf den deutschen Fußball werden weltweit geschätzt 40 Mrd. € pro Spielzeit gewettet – der Großteil davon auf unregulierten asiatischen Märkten. Genau dort, wo auch die Bundesliga-Sponsoren AYX, XingKong und Kaiyun operieren. Die Verbindung zwischen Sponsoring und Spielmanipulation ist damit keine theoretische – sie verläuft über dieselben Netzwerke.

spielmanipulation und sportwetten

Der DFB verbietet Spielern, Trainern, Funktionären und Schiedsrichtern ausdrücklich, auf eigene Spiele oder Wettbewerbe zu wetten oder Insiderwissen an Dritte weiterzugeben. Gerade in den Amateurligen, wo Spieler und Schiedsrichter schlecht oder gar nicht bezahlt werden, ist das Manipulationsrisiko besonders hoch. Wer Hinweise auf geplante Spielmanipulation hat, kann sich an die Ombudsstelle des DFB wenden.

Was macht das Ausland? Der Blick nach England, Spanien und Italien

Während Deutschland diskutiert, handeln andere Länder bereits.

Die englische Premier League hat 2023 beschlossen, Wettanbieter ab der Saison 2026/27 von der Trikotvorderseite zu verbannen. In der aktuellen Saison 2025/26 tragen noch elf von 20 Klubs einen Glücksspiel-Sponsor auf der Brust – der geschätzte Wert dieser Trikot-Deals liegt bei rund 95 Mio. £. Ab Herbst 2026 ist damit Schluss – zumindest auf der Trikot-Vorderseite. Ärmel, Trainingstrikots und LED-Banden bleiben erlaubt.

Im Februar 2026 legte die britische Kulturministerin Lisa Nandy nach und kündigte eine Konsultation an, die auch unlizenzierte Glücksspielanbieter als Sponsoren verbieten soll. Der Hintergrund: Mehrere Premier-League-Klubs hatten Deals mit asiatischen Wettanbietern, die keine britische Lizenz besaßen – ein Muster, das den Bundesliga-Fällen mit AYX, XingKong und Kaiyun verblüffend ähnelt.

Spanien ist noch weiter gegangen: Sportwetten-Werbung ist dort grundsätzlich von Trikots, aus Stadien und während der Prime-Time aus dem TV verbannt.

Italien hat 2018 ein weitgehendes Werbeverbot für Glücksspiel-Sponsoring im Sport erlassen. Allerdings wird dort inzwischen über eine Lockerung diskutiert – manche Serie-A-Klubs umgehen die Regelung bereits, indem nicht der Wettanbieter selbst, sondern eine Entertainment-Tochter als Sponsor auftritt.

In Deutschland gibt es aktuell keine vergleichbaren Pläne. Der GlüStV erlaubt die Werbung lizenzierter Anbieter ausdrücklich, und ein Sponsoring-Verbot ist weder auf Bundes- noch auf Länderebene in Sicht.

Wer wirklich profitiert – und wer den Preis zahlt

Vereinfacht gesagt: Profitieren tun die Vereine und die Wettanbieter. Die Vereine bekommen Geld, das sie brauchen. Die Anbieter bekommen Sichtbarkeit vor einem Millionenpublikum und – vielleicht noch wichtiger – Seriosität. Wer neben dem FC Bayern oder Borussia Dortmund steht, der wird als seriöser wahrgenommen. Das ist der Deal. Und genau das macht die Partnerschaften mit unlizenzierten asiatischen Anbietern so problematisch: Sie kaufen sich über die Bundesliga-Marke eine Glaubwürdigkeit, die sie aus eigener Kraft nie hätten.

Den Preis zahlen potenziell diejenigen, die durch die allgegenwärtige Präsenz von Sportwetten im Fußball ein problematisches Spielverhalten entwickeln oder verstärken. Laut Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung sind in Deutschland rund 500.000 Menschen glücksspielsüchtig. „Unsere Kurve“ verweist darauf, dass pro glücksspielsüchtiger Person bis zu 15 weitere Menschen im persönlichen Umfeld mitbetroffen sind.

Wie viele dieser Fälle direkt mit Sportwetten zusammenhängen, lässt sich nicht exakt beziffern. Aber die Logik ist simpel: Wer im Stadion, auf dem Trikot und in jeder Werbepause mit Wettanbietern konfrontiert wird, für den wird Wetten zur Normalität. Und Normalität ist der Nährboden für unkritisches Verhalten.

Auf der anderen Seite steht das Argument, dass ein regulierter Markt besser ist als ein unregulierter. Lizenzierte Anbieter unterliegen Jugendschutzauflagen, müssen Spielersperren umsetzen und Suchtpräventionsmaßnahmen finanzieren. Wer diese Anbieter aus dem sichtbaren Bereich verdrängt, treibt Spieler möglicherweise zu unregulierten Offshore-Anbietern, bei denen gar kein Schutz existiert.

Wohin geht die Reise?

Die Glücksspielbranche wird nicht aus dem Fußball verschwinden. Dafür ist zu viel Geld im Spiel – wörtlich und im übertragenen Sinne. Was sich ändern dürfte: die Art der Partnerschaften und die Aufmerksamkeit, die ihnen gewidmet wird.

Die ZDF-Enthüllungen zu den Yabo-Verbindungen könnten ein Wendepunkt sein. Zum ersten Mal geht es nicht mehr nur um die grundsätzliche Frage „Sollen Wettanbieter Vereine sponsern?“ – sondern um die konkrete Frage: Mit wem genau machen Bundesligisten eigentlich Geschäfte? Und wer überprüft das?

Die Entwicklung in England zeigt einen möglichen Weg. Wettanbieter verschwinden von der Trikotvorderseite, bleiben aber über Ärmel, Trainingskleidung und digitale Kanäle präsent. Es ist ein Kompromiss, der die sichtbarste Form der Werbung einschränkt, ohne den Geldfluss komplett zu kappen.

Ob Deutschland diesem Modell folgt, hängt maßgeblich von der politischen Stimmung und der nächsten Evaluierung des GlüStV ab. Aktuell fehlt es an politischem Willen für ein Verbot. Die Branche selbst setzt auf Selbstregulierung – und hofft, dass das reicht.

Für die Vereine wird entscheidend sein, wie sie das Gleichgewicht zwischen finanzieller Notwendigkeit und gesellschaftlicher Verantwortung halten. Der VfB Stuttgart hat gezeigt, dass eine Wettanbieter-Partnerschaft auch nach hinten losgehen kann. Der FC St. Pauli demonstriert, dass ein bewusster Verzicht möglich ist – wenn auch mit teilweise inkonsequenten Einschränkungen. Und der FC Bayern macht vor, wie ein großer Verein das Thema geräuschlos managt: Betano löst Tipico ab, das Logo steht auf dem Trainingstrikot, und niemand regt sich groß auf.

Am Ende entscheidet wie so oft: der Kontostand. Oder, wie man in der Branche sagt: Wer zahlt, bestimmt die Musik. Nur dass jetzt auch die Frage erlaubt sein muss, woher das Geld eigentlich kommt.

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Steffen Peters
Gründer
Steffen war so begeistert von Knossis Casino-Streams, dass er 2019 kurzerhand Automatenspieler gründete – heute gilt er als absoluter Szene-Experte. Für ihn gibt's kein besseres Gefühl, als ein Bonusfeature komplett durchzuspielen. Fun Fact: Steffen hat einen Entwickler des Push-Gaming-Hits Razor Shark im Darts besiegt.